Workshop-Projekt „Bildung und Integration“
Bildung ist eine Schlüsselkategorie für die Gestaltung und Umsetzung von Integration – in gewisser Weise ist Integration selbst als Prozess von Bildung zu verstehen (siehe auch die thematischen Ausführungen zum Schwerpunkt „Bildung und Integration“). Die Klärung von Integrationsfragen und die Ausrichtung von integrativen Bildungsangeboten für Migrantinnen und Migranten unterliegen dabei einer Reihe von Herausforderungen:
Zum einen stellen sich der Bedarf und die Problematik von Integration immer gleichsam vor Ort – die Gestaltung konkreter Integrationsprozesse und die Ausrichtung entsprechender Bildungsangebote in der Praxis ist daher eine vordringlich regionale bzw. kommunale Herausforderung. Andererseits steht das Phänomen von Migration und Integration notwendig aber immer auch in einem überregionalen Kontext, und dem entsprechend bewegt sich auch die Gestaltung örtlicher Bildungsangebote immer im Rahmen übergeordneter gesellschaftlicher Kontexte und politischer Rahmenvorgaben.

Eine weitere Herausforderung liegt darin, dass das Spektrum der Bildungsakteure im Migrationsbereich – der Bildungsanbieter, der Bildungsrezipienten, aber auch der verantwortlichen Akteure der politischen Rahmenordnung auf kommunaler und überregionaler Ebene – sehr breit gestreut und teilweise für die Beteiligten selbst nur schwer zu überschauen ist. Dieser Umstand erschwert die Verständigung der relevanten Akteure und bewirkt einen hohen Grad an Komplexität der erforderlichen Abstimmungsprozesse.

Eine dritte Herausforderung schließlich besteht darin, den Verständigungsprozess über praktische Integrationsfragen und die konkrete Konzeption von Bildungsangeboten mit einem Verständigungsprozess über begriffliche und konzeptuelle Grundlagen der Debatte zu verbinden. In der Realität zeigen sich beide Bereiche – die konkrete Debatte bildungsrelevanter Integrationsfragen und ihre theoretische Reflexion – oft zu stark voneinander isoliert. Indem die theoretische Bestimmung und Erörterung von Integrations- und Bildungskonzepten häufig auf den rein wissenschaftlichen Raum beschränkt bleibt, droht sie den Kontakt zu den tatsächlichen und real vorhandenen Problemstellungen zu verlieren. Umgekehrt droht eine gesellschaftliche Debatte, die theoretisch unterbestimmt bleibt, den Fokuspunkt einer möglichen Verständigung über die Gestaltung von Integration und die Aufgaben von integrativer Bildung aus dem Blick zu verlieren. Bei diesem dritten Komplex setzt das Projekt „Bildung und Integration“ schwerpunktmäßig an.

Mit dem Projektvorhaben ist beabsichtigt, das Verhältnis von Bildungspraxis und Bildungstheorie im Integrationsbereich auszuloten und dabei im Dialog mit den verschiedenen Akteuren zunächst eine Sondierung der verschiedenen Hintergrundbestimmungen von integrativer Bildung in Bezug auf Wertefragen, kulturalistische Grundverständnisse und anthropologische Konzepte, aber auch im Blick auf die der relevanten politischen und sozialen Handlungskontexte und Rahmenvorgaben der Bildungsakteure zu erarbeiten. Dabei sollen sich die Konturen einer Gesamtlandschaft von Bestimmungsfaktoren für die Bildungsarbeit im Integrationsbereich ergeben, die gegebenenfalls Grundlage einer systematischen Ausarbeitung in weiteren Folgeprojekten ist.

Ein erster Workshop ist für den Dezember 2007 in den Räumen der Akademie in Bonn geplant. Erste Ergebnisse der sollen dann im Februar 2008 im Rahmen eines Podiums beim öffentlich-universitären Kolloquium „Bildung“ gegenüber Wissenschaft und Öffentlichkeit an der Universität Bonn vorgestellt werden.

Das Projekt wird unterstützt durch das Wissenschaftsdezernat der Stadt Bonn.