Hintergrund
In einer global vernetzten Welt kommt es nicht nur zu einem weltweiten Austausch von Wirtschaftsgütern und Informationen, sondern auch zu verstärkten Migrationsbewegungen von Menschen. Die Begegnung von Menschen aus unterschiedlichen Sprach- und Kulturräumen, die zudem aus unterschiedlichen Migrationsanlässen mit entsprechend unterschiedlichen Erwartungs- und Bedürfnishaltungen erfolgt, ist gleichermaßen eine Herausforderung für die jeweiligen Aufnahmegesellschaften und die betreffenden Migrantinnen und Migranten. Die politische Bedeutung dieser lange Zeit nur unzureichend gestalteten Herausforderung wird durch die jüngst erfolgte Vorlage des von der Bundesregierung der Bundesrepublik Deutschland initiierten Nationalen Integrationsplans ebenso verdeutlicht wie durch die Bemühungen auf regionaler Ebene, u.a. durch die Durchführung kommunaler Integrationskonferenzen. Bildung spielt in diesem Zusammenhang eine zentrale Rolle, wobei sich in der Frage der Integration von Menschen mit Migrationshintergrund das ganze Spektrum der unterschiedlichen Dimensionen von Bildung fokussiert. Indem Bildung selbst im Spannungsfeld von Einpassung und zugleich Selbstbestimmung in persönlich-individueller, sozio-kultureller und politisch-staatsbürgerlicher Hinsicht steht, ist sie nicht nur Instrument von Integration, sondern auch deren Spiegel: Wie der Begriff der Integration selbst bewegt sich Bildung in einem immer auch spannungsvollen und veränderlichen Schnittfeld von adaptiver Eingliederung und autonomer Abgrenzung.

Spannungsfelder

Die Frage nach dem Zusammenhang von Bildung und Integration zeigt sich als außerordentlich komplex. Dies liegt zum einen daran, dass das Spektrum der Akteure, die im integrativ orientierten Bildungsbereich relevant sind, ebenso weitgefächert ist wie das der gesellschaftlichen Orte, an denen integrative Bildung gefordert ist, und das der verschiedenen Bildungskonzepte und Integrationsverständnisse. Des weiteren erfolgt integrative Bildung immer gleichsam im doppelten Spagat. Zum einen im Spagat zwischen globalen und regionalen Aspekten: Integrative Bildung reagiert auf Migrationsphänomene, die sich regional niederschlagen, deren Ursachen aber häufig globaler Natur sind. Konkrete Bildungsmaßnahmen beziehen sich dementsprechend immer auf örtliche Bedürfnisse und Verhältnisse und werden kommunal organisiert, sie stehen aber immer zugleich auch unter übergeordneten gesetzgeberisch-politischen Vorgaben. Integrative Bildung steht aber auch im Spagat zwischen Theorie und Praxis: Sie zielt auf konkrete Maßnahmen, sie will im jeweiligen Integrationskontext praktisch wirken; aber zugleich kann sie dies zielführend und orientiert nur leisten, wenn ihr ein theoretisch reflektiertes Integrations- und damit Bildungsverständnis zugrunde liegt, das wiederum tiefergehende Begriffsklärungen voraussetzt. Erfolgreiche, weil verallgemeinerungs- und damit akzeptanzfähige integrative Bildungsmaßnahmen setzen eine Verständigung über das grundliegende Integrations- und Bildungskonzept voraus, und die Verständigung auf ein solches Konzept wiederum erfordert eine Erörterung grundsätzlicher ethischer Wertaspekte, kultureller Vorverständnisse und theoretischer Bildungsbegriffe.

Herausforderungen

Integrationsprozesse, die sich immer auch zugleich als Prozesse von Bildung im weitesten Sinn (als formelle und informelle, wissen- und kompetenzorientierte, abstrakt-vermittelte und konkret erlebte Bildung) verstehen lassen, können nur dann gelingen, wenn auf einer geordneten und organisierten Basis eine Interaktion in allen Feldern erfolgt: im Zusammenwirken und Austausch der verschiedenen Akteure, in der Abstimmung von globalen Aspekten und Vorgaben der Rahmenordnung mit regionalen Sachlagen und kommunalen Gestaltungsmaßnahmen, im fruchtbaren Bezug von theoretischen Konzeptualisierungen und begrifflichen Bestimmungen auf praktische Bildungs- und Integrationsherausforderungen. In der Sache setzt dies die Bereitschaft und den Mut der beteiligten Akteure voraus, über die Grenzen des eigenen Überzeugungshintergrundes und der eigenen Interessenlage hinaus sich einem Abstimmungsprozess zu stellen – es setzt aber auch den geschützten Raum voraus, dies ungefährdet tun zu können. In institutioneller Hinsicht ist die Öffnung und Kooperation bestehender Bildungseinrichtungen – öffentlicher und privater, wissenschaftlich und populär ausgerichteter –, und damit verbunden die Auslotung von Synergie- und Verzahnungspotentialen ebenso gefordert wie ein entsprechender Dialog zwischen Bildungseinrichtungen und -initiativen, Migrantenorganisationen und -vertretern sowie Politik und Öffentlichkeit.

Schwerpunktprojekte

Mit Fragen der Bildung beschäftigt sich das öffentliche ask-Kolloquium „Bildung“ im Rahmen der Reihe Philosophie und Bildung sowie das Workshop-Projekt „Bildung und Integration“.