Diskurs Bildung und Jugend
Öffentliche Diskussionsveranstaltung, konzipiert von der Akademie für Sozialethik und Öffentliche Kultur und am 06. Juni 2008 in Bonn gemeinsam veranstaltet mit der Friedrich-Ebert-Stiftung und dem Schülerplanspiel SPUN

Eröffnungsvortrag, Dr. Martin Booms

Die Bonner Oberbürgermeisterin Bärbel Dieckmann, die finnische Bildungsexpertin Heli Europäeus, die UN-Jugenddelegierte 2008 Astrid F. Schrader, der SPUN-Generalsekretär 2008 Thimo Heisenberg und der Philosoph und ask-Leiter Dr. Martin Booms diskutierten mit über 200 überaus engagierten Schülerinnen und Schüler aus Deutschland und Europa sowie ca. 120 weiteren Gästen über den Stand, die Probleme und Chancen sowie über die Hintergründe von Bildung für Jugendliche. Dabei standen aktuelle Themen wie PISA und gymnasiale Schulzeitverkürzung („G8“) ebenso auf der Agenda wie Fragen der grundsätzlichen Zweckbestimmung und Werteausrichtung der Bildung junger Menschen und der Bedeutung von politischer und gesellschaftlicher Bildung im Besonderen. Von Schülerseite wurde dabei insbesondere eine höhere Mitbestimmungsmöglichkeit in Fragen der schulischen Bildung eingefordert. Ein weiterer Schwerpunkt lag auf dem Aspekt der kaum messbaren, weil nicht unmittelbar an objektiven Leistungskriterien bewertbaren Bildungskomponenten. In diesem Zusammenhang wurde sowohl auf dem Podium als auch durch die Schülerinnen und Schüler angeregt, die Definiton des Leistungsbegriffs in der Schule im Ganzen zu überdenken.

Der ask-Leiter Dr. Martin Booms wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass eine Institutionalisierung rein wettbewerblicher Strukturen in der Schule nicht unbedingt geeignet sei, um im wettbewerblichen Leistungsvergleich qualifizierte Lernergebnisse zu erzielen und betonte die Notwendigkeit eines stärker integrativ ausgerichteten Leistungsdenkens.

Auch die Oberbürgermeisterin der Stadt Bonn, Bärbel Dieckmann, sprach sich in diesem Zusammenhang für ein stärker gesamtschulisch orientiertes Konzept gegenüber dem aktuellen früh differenzierenden gegliederten Schulkonzept aus und verwies auf die Notwendigkeit, für Bildungschancen und -zugänge bereits im vorschulischen Bereich - etwa bei den Kindertagesstätten - zu sorgen.

Podium Bildung und Jugend

Weitgehende Einigkeit auf entsprechende Fragen der Schülerinnen und Schüler bestand auf dem Podium angesichts der Frage nach der Zentralisierung von Bildung. Sowohl die UN-Jugenddelegierte als auch die Bonner Oberbürgermeisterin sowie der ask-Leiter warnten vor einer überbordenden Zentralisierung von Bildungsabschlüssen und Qualifikationsprüfungen. Vielmehr müsse auf die immer auch individuell gearteten Lern- und Leistungsbedingungen innerhalb eines Landes, aber auch innerhalb verschiedener Schulkulturen innerhalb eines Bildungssystems Rücksicht genommen werden.

Die finnische Bildungsexpertin und -beraterin Heli Europaeus wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass es angesichts des internationalen Vergleichs von Bildungssystemen, wie er u.a. durch die PISA-Studie möglich geworden sei, sinnvoll sei, voneinander zu lernen, dass dies aber nicht bedeuten könne, die Bildungssysteme der erfolgreichen Teilnehmerländer in anderen Ländern gleichsam zu kopieren.

Aufgrund des großen Diskussionsbedarfs setzten sich die Debatten zwischen den Podienreferenten und den teilnehmenden Schülerinnen und Schülern auch nach dem offiziellen Abschluss der Veranstaltung bei dem anschließenden Empfang lebhaft fort.