Drei Haselnüsse für Aschenbrödel
Thema: Humanität, Emanzipation und Autonomie.
"Drei Haselnüsse für Aschenbrödel" ist ein, wenn nicht der Klassiker des Märchenfilms, der die auf uralte, archetypische Erzählmotive zurückgehende Geschichte vom Aschenputtel bzw. Aschenbrödel in der – allerdings von religiösen Motiven bereinigten – Version der tschechischen Schriftstellerin Božena Němcová zeigt. Diese zwischen 1842 und 1845 ent­standene Version, die unter anderem das Motiv der drei Ha­selnüsse neu einführt, stellt wiederum eine Abwandlung der zweiten Grimm’schen Märchenfassung des Aschenputtel aus dem Jahre 1819 dar. Die Brüder Grimm schliesslich hat­ten sich nach einem Hinweis durch Clemens Brentano die Geschichte von einer alten, im Marburger Armenhaus dahin siechenden Frau erzählen lassen.

Die vom tschechischen Regisseur Václav Vorlícek geschaffene Märchenfassung ist dabei weit mehr als eine nur romantisch-märchenhafte Erzählung von der heilen Welt: Sie zeigt vielmehr den Emanzipations- und Entwicklungsprozess zweier junger Menschen, die sich von ihren fremdbestimmenden sozio-ökonomischen Kontexten befreien: der eine aus einer vorbestimmten Welt "von oben" (Prinz), die andere "von unten". Beide können nur nur dann zueinander kommen, wenn sie sich von ihren jeweiligen Vorbestimmungen und Funktionszuweisungen herauslösen und wagen, als individuell-einmalige, darin zugleich freie und gleichwertige Personen einander gegenüber zu treten. Die berühmte tschechische Filmvariante des Aschenbrödelstoffes zeigt sich daher hinter der Kulisse der wohlig-leichten Märchenromanze als eine hintergründige Parabel über Humanität, Emanzipation und Autonomie.

Informationen zum Film

"Drei Nüsse für Aschenbrödel", CSSR/DDR 1973

Regie:  Václav Vorlícek
Drehbuch: František Pavlíček
Produktion: Filmstudio Barrandov (Prag), DEFA, KAG „Berlin"
Kamera: Josef Illík
Musik: Karel Svoboda
Darsteller: Libuše Šafránková, Pavel Trávníček, Carola Braunbock, Rolf Hoppe, Karin Lesch u.a.
Länge: 82 Minuten.

Die Verfilmung durch den tschechischen Regisseur Václav Vorlícek (geb. 1930) erfolgte 1973; nach den Kinopremieren in der ČSSR im November 1973, in der DDR im März 1974 und in der BRD im Dezember 1974 wurde der Film am zwei­ten Weihnachtstag des Jahres 1975 erstmals im westdeut­schen Fernsehen gezeigt und avancierte daraufhin zum Weihnachtsklassiker und Kultfilm, der in Tschechien zum besten Märchenfilm des zwanzigsten Jahrhunderts gekürt wurde.

  • 20.12.2016, Kinok, St. Gallen/Schweiz (Premiere).
    Teilnehmer: 96 (ausgebucht).