Elling
Thema: Wer ist Spitze? Eliten, Außenseiter und soziale Helden
Einführung
Öffentliche Debatten um Eliten flammen in der Regel dann auf, wenn es um die Frage unrechtmäßiger oder legaler, aber als ungerecht empfundener Besserstellungen geht: So etwa in der Diskussion um Korruption oder unverhältnismäßige Managergehälter in der Wirtschaft, so in der Debatte um nicht offengelegte Nebenverdienste oder selbstverordnete  Diätenerhöhungen von Abgeordneten in der Politik, so in der Debatte um illegale Steuerflucht oder legal in Anspruch genommene Steuerschlupflöcher bei wohlhabenden Privatpersonen.

Auf der anderen Seite des Spektrums, wenn es um die so genannten Unterschichten geht, konzentriert sich die Debatte häufig um das Problem der Exklusion, d.h. der mangelnden Teilhabe oder Teilhabemöglichkeit an wirtschaftlichem Wohlstand, an gesellschaftlicher Mitbestimmung und an qualifizierender Bildung.

Betrachtet man das Verhältnis von Eliten und Unterschichten auf diese Weise, dann stellt sich zunächst eine Reihe von Fragen, die die gerechte Verteilung von Gütern betreffen: Welche Vergütung ist unter welchen Bedingungen der Leistung von Menschen in Spitzenpositionen angemessen, in welchem Verhältnis zu Durchschnittseinkommen sollte sie stehen? Handelt es sich bei der Kritik an Vergütungen und Machtmöglichkeiten, die mit Spitzenpositionen verbunden sind, nur um eine Neiddebatte der schlechter Gestellten, die die besser Gestellten um den verdienten Lohn ihrer höheren Leistungs- und Verantwortungsbilanz bringen wollen? Inwieweit sind andererseits in einer hochgradig arbeitsteiligen Wirtschafts- und Gesellschaftsform überhaupt Leistungen individuell, d.h. konkreten einzelnen Personen zurechenbar und wie hoch ist der Anteil der gesamtgesellschaftlichen Voraussetzungen und Vorleistungen an jeglicher individuellen Wertschöpfung? Was und wie viel schuldet der Einzelne – sei er „oben“ oder „unten“ – immer schon der Gesellschaft und was oder wie viel schuldet umgekehrt die Gesellschaft der Leistung jedes Einzelnen? Schließlich: Welche Zugangschancen oder -hindernisse sind dafür verantwortlich, ob man zu den Spitzen oder zu den Unterschichten gehört, und sind die Chancen fair über die Gesellschaft verteilt?

(Auszug aus der Programmbroschüre. Ganztext im Download-Bereich unten.)


Informationen zum Film

"Elling", Norwegen 2001

Regie: Petter Naess
Drehbuch: Axel Hellstenius
Buch: Ingvar Ambjørnsen
Darsteller: Per Christian Ellefsen, Sven Nordin u.a. 

Elling ist der zweite Spielfilm des norwegischen Film- und Theaterregisseurs Petter Naess und beruht auf einem gleichnamigen Bühnenstück, das vor Beginn der nur 4-wöchigen Dreharbeiten in identischer Hauptrollenbesetzung und Regie über hundertmal erfolgreich am Oslo Nye Theater gegeben wurde.  
Elling erzählt auf anrührende und teils komische, teils nachdenkliche Weise die Geschichte des kauzigen Titelhelden und seines sanftmütigen Freundes Kjell Bjarne, die nach mehrjährigem Aufenthalt in einer psychiatrischen Klinik zur Resozialisation entlassen werden und fortan auf eigenen Beinen ihren Alltag zu bestreiten haben, aber auch ihre gesellschaftliche Zugehörigkeit und lebensweltliche Orientierung ganz neu gewinnen und behaupten müssen. Mit tastenden und unsicheren Schritten bahnen sie sich Stück für Stück ihren Weg in das Leben und in die Gesellschaft auf der Suche nach ihrem sozialen Platz und ihrer persönlichen Identität: eine Suche, auf der nichts selbstverständlich ist und bei der die scheinbar kleinsten Anforderungen des Alltagslebens zu Abenteuern heldenhafter Bewährung werden. 

Elling gewann zahlreiche Preise, in Norwegen u.a. für das beste Drehbuch und für den besten Darsteller (Per Christian Ellefsen), in Deutschland erhielt er mehrere Publikumspreise, u.a. auf dem Internationalen Filmfestival Würzburg 2002. Der Film wurde zudem 2002 für den Oscar in der Kategorie „Bester fremdsprachiger Film“ nominiert. 


Bisherige Veranstaltungen

  • 25.04.2013,Kinok – Cinema in der Lokremise, St. Gallen/Schweiz.
    Teilnehmer: 20.
  • 11.07.2008, WOKI Bonn.
    Teilnehmer: 219.