Die fetten Jahre sind vorbei
Themenstellungen: "Wohlstand oder Glück? Zur Bedeutung materieller Güter für das gute Leben"
Einführung
Wirtschaftsethische Fragestellungen werden aktuell so intensiv diskutiert wie selten zuvor. Die rasant zunehmende wirtschaftliche Globalisierung rückt das Problem einer gerechten globalen Verteilung des materiellen Wohlstands ebenso in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses wie Fragen nach der Zukunft der (Massen-)Erwerbsarbeitsgesellschaft und nach den Konsequenzen der fortschreitenden Ökonomisierung der menschlichen Lebenswelt. Mit der Globalisierung geht ein verschärfter, selbst global gewordener Wettbewerbsdruck einher, der sich bei vielen Menschen immer stärker auch als persönlicher Lebensdruck im Arbeits- und Privatbereich bemerkbar macht. Es scheint, als habe die ökonomische Globalisierung eine Art Eigendynamik gegenüber den einzelnen im Wirtschaftsleben stehenden Individuen, aber auch gegenüber der Gesellschaft im Ganzen entwickelt – eine Eigendynamik, die wie eine unentrinnbare, gesetzliche Macht die konkreten Lebensverhältnisse und die konkrete Lebensgestaltung der Menschen zu bestimmen scheint.

Hans Weingartners Film „Die fetten Jahre sind vorbei“ widmet sich solchen Aspekten der modernen Lebenswelt und Gesellschaftsrealität in Zeiten zunehmender ökonomischer Durchformung. Seine Protagonisten bewegen sich – mal zögerlich tastend, mal holzschnittartig ideologisierend, aber immer gleichsam gefährdet und niemals auf völlig sicherem Grund – in einem Spannungsfeld von individueller freier Lebensverwirklichung und dem Druck gesellschaftlich-ökonomischer Vorgaben, zwischen Aktion und Reaktion, zwischen Protest und Anpassung. In diesem Spannungsfeld treten Zusammenhänge zutage, die seit alters her diskutiert werden, aber unter den modernen Verhältnissen eine neue Aktualität gewinnen: Macht Wohlstand frei, und wenn ja: unter welchen Bedingungen und in welcher Hinsicht? Macht Geld glücklich, und wenn ja: Was für ein Glück ist damit gemeint? Was macht eigentlich eine wirkliche, d.h. konkret gelebte freiheitliche Lebensführung aus? Ist sie überhaupt möglich? Ist speziell in Zeiten einer stark materiell-wirtschaftlichen Orientierung der Gesellschaft das Ideal einer alternativen individuellen Lebensorientierung oder eines alternativen Gesellschaftsmodells überhaupt realistisch oder erstrebenswert? In welchem Verhältnis stehen Wohlstand und wirtschaftlicher Erfolg zum Anspruch auf eine selbstbestimmte Lebensweise? Wie steht materieller Reichtum (z.B. Geld, Vermögenswerte, Karriere) zu ideellem Reichtum (z.B. Liebe, Freundschaft, Erfüllung)? Was macht ein Leben reich?

(Auszug aus der Programmbroschüre der Bonner Premierenveranstaltung vom 08.02.2007. Ganztext im Download-Bereich unten.)


Informationen zum Film

„Die fetten Jahre sind vorbei“, Deutschland 2004

Regie: Hans Weingartner
Drehbuch: Katharina Held
Produktion: Hans Weingartner, Antonin Svoboda
Darsteller: Daniel Brühl, Julia Jentsch, Stipe Erceg, Burghart Klaußner u.a.

Die fetten Jahre sind vorbei“ war der erste deutschsprachige Film seit elf Jahren, der 2004 für den offiziellen Wettbewerb der Filmfestspiele in Cannes ausgewählt wurde. Er erhielt zahlreiche nationale und internationale Preise bzw. Nominierungen und wurde bislang in mehr als 40 Länder verkauft.


Bisherige Veranstaltungen
  • 07.05.2014, Schauburg Vechta, i.V.m. sneep und Universität Vechta.
    (öffentlich). Teilnehmer: 85.
  • 14.06.2013, Kinok - Cinema in der Lokremise, St. Gallen/Schweiz (geschlossen). Teilnehmer: 95.
  • 27.05.2013, Stadtkino am Schwartzenbergplatz, Wien (öffentlich).
    Teilnehmer: 50.
  • 09.11.2011, Kinok – Cinema in der Lokremise, St. Gallen/Schweiz (öffentlich). Teilnehmer: 35.
  • 16.09.2009, Consulting Akademie 2009, Kassel (geschlossen).
    Teilnehmer: 30.
  • 27.05.2009, Odeon Kino, Köln (öffentlich).
    Thema: "Über Geld, Glück und das gute Leben. Zur Bedeutung des Wohlstands für eine lebenswerte Gesellschaft." Teilnehmer: 50.
  • 29.07.2008, Union-Studio für Filmkunst, Kaiserslautern (öffentlich).
    Im Rahmen der Consulting-Akademie 2008 in Kaiserslautern, Generalthema: "Diversität und Gerechtigkeit". Teilnehmer: 40.
  • 08.02.2007, WOKI Bonn (öffentlich).
    Die Erstausgabe von "Philosophie im Kino I" erfolgte in Verbindung mit der Universität Bonn. 350 Zuschauer debattierten zum Abschluss der ask-Kolloquienreihe "Philosophie der Wirtschaft" über das Verhältnis von Wohlstand und Freiheit im Kontext globalisierter Wettbewerbs- und Gesellschaftsverhältnisse.