Liebe
Thema: Liebe, Tod, Demenz und der Wunsch zum selbstbesimmten Sterben.
Liebe und Tod. Über die ersten und die letzten menschlichen Dinge.

"Liebe und Tod in ihrem absoluten Anspruch, der keine Verrech­nung kennt und immer auf das Ganze geht, haben daher eine gemeinsame Wurzel: Als Stifter der höchsten Humanität und des größten Schmerzes sind sie die ersten und die letzten menschli­chen Angelegenheiten.

Und gerade deswegen gibt es aus der Perspektive der Liebe, die wesenhaft eine Perspektive der Hu­manität ist, tatsächlich Schlimmeres als den Tod: nämlich die Auslöschung der Person, die sich dann vollzieht, wenn ein Mensch auf sein bloß funktionales biologisches Dasein zurück­geworfen wird. Vollzieht sich eine solche Reduktion, die den Kern menschlicher Würde und damit Humanität angreift – sei es von Außen, aufgrund unwürdiger Behandlung und Degradierung durch Andere, wie es sich paradigmatisch im menschenverach­tenden Kontext des KZs darstellt, sei es von Innen, durch eine körperlich, seelisch oder moralisch bedingte Selbstauflösung der Persönlichkeit –, wird die Grundlage der Liebe zerstört.

In diesem Beziehungsfeld existentieller Dimensionen des Men­schen entfaltet sich Michael Hanekes Film Liebe. Mit ihm ist dem Regisseur und Drehbuchautor ein Werk gelungen, das seine tiefe und zugleich zutiefst erschütternde Humanität daraus bezieht, dass es jede Erklärung, jede Rationalisierung und jede Moralisie­rung verweigert: Es konfrontiert den Zuschauer unkommentiert, absolut und unausweichlich mit der Liebe und dem Tod, mit der Erlöschung und der Erlösung, und bringt gerade dadurch die exis­tentielle Bedeutung seines Themas zur Geltung."

(Auszug aus der Programmbroschüre. Ganztext im Download-Bereich unten.)


Informationen zum Film


"Liebe/Amour", Frankreich 2012.

Regie: Michael Haneke
Drehbuch: Michael Haneke
Darsteller: Jean-Louis Trintignant (als Geroges), Emmanuelle Riva (als Anne), Isabelle Huppert (als Eva), Alexandre Tharaud (als Alexandre) u.a.
Musik: Franz Schubert, Ludwig van Beethoven
Kamera: Darius Khondji
Schnitt: Nadine Muse, Monika Willi
Länge: 127 Minuten

"Liebe" ist der bislang letzte Spielfilm des österreichischen Regisseurs Michael Haneke. In dem kammerspielartigen Drama, das Haneke dem von ihm bewunderten französi­schen Schauspieler Jean-Louis Trintignant in der Rolle des Georges auf den Leib schrieb, geht es um das letzte Kapitel in der Geschichte einer alten Liebe. Haneke beschäftigte und quälte sich mit dem Filmprojekt, das von persönlichen familiären Erlebnissen angeregt wurde, fast 20 Jahre lang. Herausgekommen ist ein Meisterwerk, das mit unzähligen Preisen bedacht wurde, darunter die Goldene Palme 2012 der Filmfestspiele in Cannes. 

  • 04.11.2015, Kinok – Cinema in der Lokremise, St. Gallen/Schweiz (Premiere).
    Teilnehmer: 55.