Das weiße Band
Thema: Geist und Gewalt - Der Ursprung des Bösen
Einführung

Der vielfach preisgekrönte Film "Das weiße Band" des österreichischen Regisseurs Michael Haneke spielt in der Vorzeit zum Ersten Weltkrieg und erzählt die Geschehnisse in einem kleinen norddeutschen Dorf, das von einer Reihe unaufgeklärter Verbrechen und Übergriffe erschüttert wird: eine Ereigniskette, die auf unheimliche Weise mit den Kindern des Ortes in Verbindung zu stehen scheint. Vor diesem Hintergrund gelingt es Michael Haneke nicht nur, ein beeindruckendes Bild der Sitten, Werthaltungen und Gesellschaftszustände in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg zu entwerfen, sondern er nutzt dieses Sittenbild, um im Grunde eine Geschichte über die Wurzeln des Bösen zu erzählen. Dieses Böse bleibt bei ihm aber weitgehend ungreifbar, es lässt sich nicht konkret festmachen und nicht klar zuordnen - es liegt anscheinend nicht unmittelbar in den handelnden Personen, gründet nicht direkt im Dämonischen einzelner Charaktere, sondern schlummert gerade in der Alltäglichkeit menschlichen Zusammenlebens: als das Böse, das erweckt wird, wenn diese Alltäglichkeit unter Bedingungen einer geistigen Haltung und einer insitutionalisierten Werteordnung gerät, die systematisch Gewalttätigkeit, Übergriffe und Barbarei aus dem Schoße des Gewöhnlichen gebären. 

Diese unpersönliche, systemische und geistige Dimension des Bösen ist  – gemäß dem vielfach missverstandenen, von der deutsch-jüdischen Denkerin Hannah Arendt entwickelten Gedanken von der "Banalität des Bösen" – Gegenstand der Erörterung und der Diskussion des philosophischen Filmabends. Aus dieser Perspektive, die weniger einen moralischen Wertungsmaßstab als einen analytischen Erklärungsansatz anvisiert, lassen sich dann sowohl Fragen der deutschen Geschichtsbewältigung, aber auch der gesellschaftsethischen Konsequenzen im Blick auf die konstitutiven Gefährdungen von Demokratie und offener Gesellschaft erörtern.



Informationen zum Film

"Das Weiße Band", D/AUT /FRA/ITA 2009

Regie: Michael Haneke
Drehbuch: Michael Haneke
Produktion: Stefan Arndt, Veit Heiduschka, Michael Katz, Margaret Ménégoz, Andrea Occhipinti
Darsteller: Burghart Klaußner, Christian Friedel, Leonie Benesch, Ulrich Tukur,  u.a.
Kamera: Christian Berger
Schnitt: Monika Willi
Länge: 138 Min.

"Das Weiße Band" erhielt zahlreiche renommierte Preise: Hierzu gehören die Goldene Palme bei den Filmfestspielen von Cannes 2009, der Grand Prix de la FIPRESCI für den besten Film des Jahres. Bei der Verleihung des Europäischen Filmpreises gewann "Das weiße Band" in den Kategorien 'Bester europäischer Film', 'Beste Regie' und 'Bestes Drehbuch', im Januar 2010 den Golden Globe Award als bester fremdsprachiger Film. Beim Preis der Deutschen Filmkritik wurde der Film in den Kategorien 'Spielfilm', 'Drehbuch', 'Kamera' und 'Darsteller' (für Burghart Klaußner) prämiert. Zudem wurde "Das weiße Band" für den Oscar 2010 in den Kategorien 'Bester fremdsprachiger Film' sowie 'Beste Kamera' nominiert, erhielt aber letztlich keinen Oscar. Für den Deutschen Filmpreis erhielt der Film insgesamt 13 Nominierungen - soviele wie bislang kein Film zuvor.
Bisherige Veranstaltungen
  • 05.05.15, Harmonie, Bonn.
    Teilnehmer: 117.
  • 18.09.13, Kinok – Cinema in der Lokremise, St. Gallen/Schweiz.
    Teilnehmer: 95 (ausgebucht).
  • 28.04.2010, WOKI Bonn.
    Teilnehmer: 320.