Wolfsburg
Thema: Schuld und Verantwortung
Philosophische Einführung: Die Last des Schweigens – Über den verantwortlichen Umgang mit Schuld

"Das menschliche Leben – je mehr, desto stärker es wirklich ge­führt und mit Bestimmtheit unternommen wird – kommt an der Schuld nicht vorbei. In der existentiellen menschli­chen Grundsi­tuation, wo keine Lebensentscheidung endgültig gewiss sein kann, keine Handlungsfolge vollkommen absehbar ist, muss das Leben stets gewagt werden: Für den Menschen als solcherart 'riskiertes Wesen' (Arnold Gehlen) ist das Schicksal, sich schul­dig zu machen, letztlich unentrinnbar.

Was bedeutet aber dieses konstitutive Schuldhaftigkeit mensch­licher Existenz, und wie ist damit umzugehen? Das eigene Schicksal in die Hand zu nehmen heißt nicht zuletzt, eine entschiedene, eine selbstbestimmte Haltung zur eigenen Schuld einzunehmen – gerade weil wir der Schuld am Ende nicht entge­hen können, heißt es, sich ihr aktiv zu stellen, statt ihr aus dem Wege zu gehen und eben dadurch von ihr bestimmt zu werden.

Das heißt aber: Entscheidender als die Frage der Schuld ist die Frage des Umgangs mit dieser Schuld – hier beginnt die Dimen­sion der Verantwortung menschlichen Handelns. Denn als ver­antwort­liche Wesen können Menschen frei entscheiden: Nur diese Verantwortungsdimension, weil sie eben zugleich eine Freiheits­dimension ist, sorgt dafür, dass uns unsere einmal begangene, faktisch irreversible Schuld nicht erdrückt, dass wir ihr nicht passiv und resignativ ausgeliefert sind – vorausgesetzt, wir nehmen diese Verantwortung auch wahr."

(Auszug aus der Programmbroschüre. Ganztext im Download-Bereich unten.)


Informationen zum Film

"Wolfsburg", Deutschland 2003

Regie: Christian Petzold
Drehbuch: Christian Petzold
Darsteller: Benno Fürmann (als Phillip), Nina Hoss (als Laura), Antje Westermann (als Katja) u.a.
Musik: Stefan Will
Kamera: Hans Fromm
Schnitt: Bettina Böhler
Länge: 90 Minuten

"Wolfsburg" ist der zweite Kinofilm des deutschen Regisseurs Christian Petzold, dessen intensive, erzählerisch durchkom­ponierte, dabei bildästhetisch zurückgenommene und auf das We­sentliche fokussierte Dramen längst stilbildend für das deutsche Kino geworden sind.


Bisherige Veranstaltungen
  • 30.09.2015, Kinok – Cinema in der Lokremise, St. Gallen/Schweiz (Premiere).
    Teilnehmer: 108 (ausgebucht).