Philosophie der Bildung
Beginn: 26.10.2007, Ende 08.02.2008, Universität Bonn, Hörsaal 1, jeweils freitags, 16 Uhr c.t., zusammen mit dem NRW-Bildungs- und Forschungsminister Prof. Dr. Andreas Pinkwart (26.10.07), der Bonner Oberbürgermeisterin Bärbel Dieckmann (18.01.08) und dem ehemaligen Bundesinnenminister Gerhart R. Baum (16.11/17.12.07).

Motto

„Der wahre Zweck des Menschen – nicht der, welchen die wechselnde Neigung, sondern welchen die ewig unveränderliche Vernunft ihm vorschreibt – ist die höchste und proportionierlichste Bildung seiner Kräfte zu einem Ganzen.“
(Wilhelm v. Humboldt)

"Klassiches Bildung! Was sieht man denn! Ein Ding, das nichts wirkt, als Befreiung vom Militärdienst und Doktortitel!"
(Friedrich Nietzsche)


Fragestellung

Der Begriff der Bildung ist gleichermaßen Gegenstand und Bestimmungsgrund geisteswissenschaftlicher Reflexion wie auch der politisch-öffentlichen Debatte. Bildung hat vielfältige, ineinander verwobene Bezüglichkeiten und Aspekte. Im weiteren Sinne dient ‚Bildung’ als Oberbegriff für die zumeist staatlich oder gesellschaftlich organisierte Vermittlung von Wissen und Fertigkeiten, die wiederum auf zwei Ebenen angesiedelt ist: Sie zielt einerseits auf die Vermittlung von Orientierungswissen und allgemeine Urteilskompetenz ab und ist in diesem Kontext entweder auf die selbstzweckhafte Autonomisierung und Mündigkeit des Menschen gerichtet,  oder sie bezweckt in funktionaler Ausrichtung den Erwerb übergeordneter Kompetenzen, die in Beziehung auf spezialisiertes Anwendungswissen stehen und in dieser Hinsicht nützlich sind. Die Verwendung des Bildungsbegriffs verengt sich andererseits zunehmend auf den Begriff der Ausbildung und meint dann die Vermittlung und den Erwerb spezifischer Fachkenntnisse und –fähigkeiten in pragmatischer Hinsicht, u.a. im Kontext einer sich globalisierungsbedingt rasant wandelnden Anforderungsstruktur der modernen Arbeitswelt.
Der Bildungsbegriff zeigt sich auf diese Weise als Elementarbegriff, der eine Art Drehscheibe unterschiedlicher Bezüge und Dimensionen darstellt: als humanistische Kategorie der Autonomie des Menschen (Entwicklung der Persönlichkeit) ebenso wie als funktionalistische Kategorie praktisch-ökonomischer Leistungsfähigkeit (Erwerb von Humankapital). Diese unterschiedlichen Dimensionen erschließen sich zugleich ganz unterschiedlichen theoretischen Zugriffen und sind in unterschiedliche praktische Kontexte eingebettet: Bildung ist ebenso Gegenstand philosophisch-geisteswissenschaftlicher (Selbst-)Reflexion wie empirischer Forschung mit sozio-ökonomischer Schwerpunktsetzung, Bildung spielt eine Rolle als Standort- und Wirtschaftsfaktor ebenso wie als Modus persönlicher Lebenserfüllung und kulturellen Selbstverständnisses.
Als Grundlage für den politischen Umgang mit Bildung ist es erforderlich, den Bedeutungshorizont von Bildung in seiner Multiaspektivität zu erkennen und die Beziehung zwischen diesen unterschiedlichen Aspekten zu klären und zu gewichten: Wie ist das Verhältnis von Bildung im engeren Sinne zu Ausbildung, in welchem Verhältnis stehen Bildungsgänge und die auf sie bezogenen Wissenschaften zu Ausbildung? Worin liegt die elementare humane, politische und gesellschaftliche Bedeutung von Bildung? Welche Rolle spielt Bildung im Zusammenhang der ökonomischen Erfordernisse der Gesellschaft? Ist Bildung im klassischen Sinne ein in sich selbstzweckhaftes Unternehmen, das außerhalb der funktionalen Kategorie der Nützlichkeit steht? Wenn ja, welches Verständnis von Funktionalität bzw. Nützlichkeit wird dabei vorausgesetzt? Welche Folgerungen ergeben sich für die Bestimmung, Status und Förderungsrelevanz der sogenannten bildenden Wissenschaften, insbesondere der Geisteswissenschaften?