Philosophie der Freiheit
Beginn: 04.11.2005, Ende 03.02.2006, Universität Bonn, zusammen mit dem ehemaligen Bundesinnenminister Gerhart R. Baum.

Motto

„Die verhängnisvolle Neigung der Menschheit, über etwas, das nicht länger zweifelhaft ist, nicht weiter nachzugrübeln, ist die Ursache der Hälfte all ihrer Irrtümer.“
(John Stuart Mill)

„Das Verständnis für und der Glaube an die Freiheit sind in hohem Maße dadurch zerstört worden, daß die Bedeutung des Wortes so ausgedehnt wurde, daß es jeden klaren Sinn verloren hat.“
(Friedrich August von Hayek)

Fragestellung

Auf der politischen Ebene begegnet Freiheit aktuell sowohl als Legitimationsbegriff für außenpolitische Interventionshandlungen wie auch innenpolitisch als Konzeptbegriff für die Verfassung einer liberalen Bürgergesellschaft, als Grundbegriff ebenso für Rechtsstaatlichkeit wie für eine markt- und wettbewerbsorientierten wirtschaftliche Ordnung. Wenn Freiheit solcherart als Leitbegriff politischen Handelns verwendet wird, bedarf dies der philosophischen Reflexion: Diese hat sich dabei nicht nur mit der Frage nach der Möglichkeit von Freiheit zu befassen, sondern vor allem auch mit der Frage nach der Bedeutung von Freiheit: Was heißt eigentlich Freiheit, welche Aspekte, Dimensionen und Kontexte sind jeweils gemeint, wenn von Freiheit die Rede ist? Was meinen wir, wenn wir einerseits von personaler, andererseits von politischer Freiheit sprechen, wie lässt sich Freiheit in beiden Kontexten jeweils verstehen und begründen, wie hängen beide Begriffe von Freiheit zusammen? Gibt es überhaupt ein einheitliches Konzept von der Freiheit, oder müssen wir vielmehr von Freiheiten sprechen? Definiert die individuelle Freiheit des Einzelnen die Freiheit der Gesellschaft, oder ist die Freiheit des Einzelnen abhängig von der liberalen Organisation der Gesellschaft im Ganzen, und falls das Letztere der Fall ist: Wie soll diese Organisation gestaltet werden? Weiter ist zu fragen: Inwieweit hängt Freiheit – im individuellen und im gesellschaftlichen Zusammenhang – mit der ökonomischen Natur des Menschen und mit der gesellschaftlich organisierten Struktur der Wirtschaftsläufe zusammen? Wie kann Freiheit in politischen Systemen organisatorisch und institutionell umgesetzt werden? Welche Freiheitsrechte oder ‑verpflichtungen ergeben sich im Verhältnis der Staaten untereinander?