Eröffnungskolloquium: Grundfragen
Beginn: 30.10.2003, Ende 06.02.2004, Universität Bonn, zusammen mit dem ehemaligen Bundesarbeitsminister Dr. Norbert Blüm.

Motto

„Sokrates:
Wenn nicht entweder die Philosophen Könige werden in den Staaten oder die heutigen sogenannten Könige und Gewalthaber sich aufrichtig und gründlich mit Philosophie befassen und dies beides in eines zusammenfällt, politische Macht und Philosophie, und wenn nicht die vielen Naturen derer, die jetzt ausschließlich eines der beiden Ziele verfolgen, zwangsweise ausgeschlossen werden, gibt es, mein lieber Glaukon, kein Ende des Unheils für die Staaten, ja, wenn ich recht sehe, auch nicht für das Menschengeschlecht überhaupt [...] Aber das ist es, was auszusprechen ich mich schon lange scheue, weil ich sehe, wie sehr es wider die allgemeine Meinung verstößt. Denn es hat seine großen Schwierigkeiten zu erkennen, daß kein anderer Staat zur Glückseligkeit gelangen kann, weder was den einzelnen noch was das Ganze betrifft.“


(Platon, Staat, 473c–e)  

Fragestellung

Fragen nach den Grundsätzen gerechten und legitimen politischen Handelns und den Kriterien zur Beurteilung politischer Institutionen sind zuletzt – auch aufgrund der weltpolitischen Entwicklungen – erneut in den Fokus des öffentlichen Interesses geraten. Das Kolloquium, das über den akademischen Kreis hinaus einem erweiterten Interessenten­kreis offen stand, ist diese Fragen anhand von klassischen philosophischen Posi­tionen aus dem „alten Europa“ bzw. in seiner Tradition (Platon, Aristoteles, Thomas, Machiavelli, Hobbes, Rousseau, Kant, Rawls) nachgegangen und hat sie zugleich systematisch reflektiert: Was ist aus philosophischer Perspektive der Gegenstand der Politik, in wel­chem Verhältnis steht Philosophie zur Politik? Gibt es einen genuin politischen Aspekt des Menschen als Einzel- und Kollektivwesen, der sich philosophisch bestimmen lässt? In welchen metaphysisch-epistemischen (Platon, Lehre von den Philosophenkönigen), theologischen (Thomas v. Aquin), technisch-funktionalen (Machiavelli) und formal-regulatorischen (Hobbes, neuzeitliche Vertragstheorie) Kontexten steht das Politi­sche? Wie ist das Verhältnis von Moral und Politik? Was legitimiert Herrschaft?