Philosophie der Zukunft
Die neunte Staffel öffentlich-akademischer Kolloquien beschäftigt sich mit dem Begriff der Zukunft. Beginn der Kolloquien ist Freitag, der 28.10.2011, ab dann jeweils wöchentlich freitags von 16-18 Uhr, in Hörsaal 1 der Universität Bonn. Gäste sind diesmal: Gerhart R. Baum (Bundesinnenminister a.D.) und der Wissenschaftler Jürgen Friedrich Hake (Forschungszentrum Jülich).

Motto

„Die Zukunft aber ist in keinem Gremium vertreten; sie ist keine Kraft, die ihr Gewicht in die Waagschale werfen kann. […] Dies erhebt die alte Frage nach der Macht der Weisen, nach der Kraft der Ideen im politischen Körper, wenn sie nicht mit der Selbstsucht verbündet sind, zu ihrer höchsten Schärfe. Welche Kraft soll die Zukunft in der Gegenwart vertreten?“

Hans Jonas, Das Prinzip Verantwortung  

Teilnahme und Begleitheft

Begleitheft zum Kolloquium "Zukunft"

Teilnahme:
Zu allen Veranstaltungen sind sowohl Studierende aller Fachbereiche als auch die interessierte Öffentlichkeit sowie Medienvertreter herzlich eingeladen. Die Teilnahme ist kostenfrei.

Veranstaltungsort und -zeit:
Universität Bonn, Hauptgebäude, Am Hof 1, 53113 Bonn. Hörsaal I. 13 Kolloquien, jeweils freitags, 16-18 Uhr. Beginn: 28.10.11. Ende: 03.02.12.

Begleitheft:
Zur Veranstaltung ist ein ausführliches Begleitheft erhältlich. Es kann über die Akademie oder direkt am Veranstaltungsort bezogen werden.


Veranstalter:
Projektreihe der Akademie für Sozialethik und Öffentliche Kultur i.V.m. dem Institut für Philosophie der Universität Bonn sowie dem Institut für Energie- und Klimaforschung am Forschungszentrum Jülich.

Durchschnittliche Teilnehmerzahl: 104 Personen pro Freitagskolloquium.
Auflage Begleitheft: 190 Stück.

Programm

  Eröffnung

1. Kolloquium – 28.10.11
Was (wenn überhaupt etwas) kommt auf wen zu – und wenn ja, woher?
Referent: Dr. Martin Booms.
Themenschwerpunkt: Die philosophische Dimension und Relevanz des Zukunftsbe­griffs.

Sektion I: Zeitphilosophische Grundlegung – Zukunft & Ewigkeit (Antike)

2. Kolloquium – 04.11.11
Die ewige Zukunft: Platon und die "alte" Zeit.
Referent: Dr. Martin Booms.
Themenschwerpunkt: Ursprünge der Zeitphilosophie, historische   Entwicklungslinien, Grundzüge des "alten" Zeitverständnisses.
Grundlage: Platon, Timaios.

3. Kolloquium – 11.11.11
Die aporetische Zukunft: Augustinus und das Problem der Zeit.
Referent: Dr. Martin Booms.
Themenschwerpunkt: Aporien der Zeitvorstellung.
Grundlage: Aurelius Augustinus, Confessiones.

Sektion II: Geschichtsphilosophische Grundlegung – Zukunft & Fortschritt (Neuzeit)

4. Kolloquium – 18.11.11
Die zeitliche Zukunft: Herder und die "neue Zeit".
Referent: Dr. Martin Booms.
Themenschwerpunkt: Die Entstehung der "neuen" Zukunft; Zukunft als    geschichtliches Konstrukt.
Grundlage: Johann Gottfried Herder, Vom Wissen und Nichtwissen der Zukunft.

5. Kolloquium – 25.11.11
Die ambivalente Zukunft: Kant, Smith und die Idee des Fortschritts.
Referent: Dr. Martin Booms.
Themenschwerpunkt: Grundzüge der Fortschrittsidee; Aufschwung der Zukunft.
Grundlagen: Immanuel Kant, Idee zu einer allgemeinen Geschichte in weltbürgerlicher Absicht; Adam Smith, Der Wohlstand der Nationen.

Sektion III: Ethische Grundlegung – Zukunft & Verantwortung (Moderne)

6. Kolloquium– 02.12.11
Die anspruchsvolle Zukunft: Hans Jonas und die Ethik der Zukunft.
Referent: Dr. Martin Booms.
Themenschwerpunkt: Hans Jonas' Projekt der "Zukunftsethik" und die ethischen Ansprüche zukünftiger Generationen.
Grundlage: Hans Jonas, Das Prinzip Verantwortung.

7. Kolloquium – 09.12.11
Die riskierte Zukunft: Ulrich Beck und die Inszenierung der Zukunft.
Referent: Dr. Martin Booms.
Themenschwerpunkt: Das Risiko als bestimmender Zukunftshorizont und die (In-)Differenz von Risiken und Risiko-Inszenierungen.
Grundlagen: Ulrich Beck, Weltrisikogesellschaft.

Sektion IV: Erkenntnistheoretische Grundlegung – Zukunft & Wissen (Moderne)

8. Kolloquium – 16.12.11
Die (un)gewusste Zukunft – Aristoteles und die Seeschlacht von morgen.
Referent: Dr. Martin Booms.
Themenschwerpunkt: Möglichkeit oder Unmöglichkeit prognostischen Wissens?
Grundlagen: Ralf Stoecker, Wer weiss, was die Zukunft bringen wird?; Aristoteles, Peri hermeneias.

WEIHNACHTSPAUSE

Sektion V: Interdisziplinäre Grundlegung – Zukunft & Energie/Klima (Aktualität)

9. Kolloquium – 13.01.12
Nachhaltigkeit als Zukunftsleitbild und die Bedeutung der Energiefrage.
Referent: Prof. Jürgen-Friedrich Hake (Jülich).
Themenschwerpunkt: Energiekrisen als treibende Kräfte für die Entwicklung von Idee, Begriff und Konzept der nachhaltigen Entwicklung.

10. Kolloquium – 20.01.12
Szenarien und Prognosen – Pictures of the Future.
Referent: Prof. Jürgen-Friedrich Hake (Jülich).
Themenschwerpunkt: (Un-)Sicherheit von Prognosen, Voraussagen, Zukunfts-    szenarien am Beispiel der Energie- und Klimapolitik.

Sektion VI: Politisch-gesellschaftliche Perspektiven – Zukunft & Politik (Aktualität)

11. Kolloquium – 27.01.12
Partizipation, Akzeptanz, Entscheidung – Chancen und Risiken.
Referent: Prof. Jürgen-Friedrich Hake (Jülich).
Themenschwerpunkt: Die Zukunft der politischen Partizipation, Verhältnis von    Akzeptanz und Partizipation.

12. Kolloquium – 03.02.12
Über die Demokratie von morgen.
Gerhart R. Baum, Bundeminister des Inneren a.D. im Gespräch mit Martin Booms.
Themenschwerpunkt: Wandlung und Zukunftsherausforderungen der   repräsentativen Demokratie. 

Inhaltliche Einführung

Wer versucht über Zukunft nachzudenken, droht bald sich zu verlieren. Die Zukunft verflüchtigt sich, sobald man sie begreifen will – Zukunft ist kein Gegenstand. Die Zu­kunft entrückt in dem Maße, wie man auf sie zuschreitet – Zukunft ist kein Ziel, son­dern ein Horizont. Die Zukunft ist niemals bei uns, denn wir leben zu jedem Zeitpunkt in der Gegenwart – und doch ist sie als Macht im Wortsinne präsent. Die Zukunft muss gemacht werden, und ist doch nicht mehr Zukunft, wenn sie erst gemacht ist. Zugleich macht die Zukunft Gegenwart: Sie kann sie sogar dominieren als Macht der Hoffnung, der Befürchtung, des Versprechens oder des Auswegs. Obwohl die Zukunft an sich nicht(s) ist, haben sich zu allen Zeiten Menschen an ihr orientiert: Jede menschliche Handlung ist per se zukunftsorientiert, jede Zwecksetzung strebt nach einer Verwirkli­chung, die noch nicht ist, sondern erst werden soll – gäbe es die Zukunft nicht, so gäbe es kein Streben, keinen Sinn, kein Ziel, keine Würde, sondern nur immer schon fertiges, bewegungsloses, interesseloses und in sich verschlossenes Sein. Die Zukunft ist daher überhaupt erst mit dem Menschen in die Welt gekommen, sie ist nichts anderes als Aus­druck der spezifisch menschlichen Daseinsweise: Zukunft ist die zeitliche Explikation der Humanität. Im richtig verstandenen Sinne weiß der Mensch über die Zukunft daher nur soviel, wie er über sich selber weiß; er erwartet von der Zukunft nur, was er von sei­ner eigenen Gestaltungskraft zu erwarten hat; und er glaubt an die Zukunft nur, soweit er an sich selber glaubt. [...]

(Aus dem Begleitheft zur Veranstaltung)
© Dr. Martin Booms 2011